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08.06.: Vom Kettenraucher zum Bergläufer

Heute erschien auf www.sueddeutsche.de ein Interview mit Thilo Kraft, einem der fleißigsten Teilnehmer des Gipfelcups. Hier spricht er mit Arnold Zimprich über seine Passion für das Laufen und den Gipfelcup. Hier geht’s zum Artikel.

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28.04.: Der Ignaz vom Rötelstoa

Lafft’s ihr auf’n Rötelstoa?“ Die Betonung liegt dabei auf „Stoa“. „Ja“, antworte ich kurz angebunden. Ich will ja schnell auf den Rötelstein rauf. Aber trotzdem bleibe ich kurz stehen, als ich Ignaz auf halbem Weg zum Rötelstein hinauf überhole. Noch kenne ich seinen Namen nicht. Den werde ich erst 20 Minuten später am Gipfel erfahren.

Macht’s ihr bei dem Berglauf-Wettkampf mit?“ Jetzt bin ich verwirrt. Wieder bringe ich nur ein kurzes „Ja“ hervor. Er musste an meinem Gesicht gesehen haben, dass es in mir ratterte. „Des hob‘ in da Zeitung glesn.“ „Ach so! Ja, wir laufen beim Gipfelcup mit.“ Er lächelt freundlich. Ich verabschiede mich schnell und mache mich auf die letzten 250 Höhenmeter zum Gipfel. Ich höre Ignaz noch, wie er mir eine weitere Frage zuruft. Doch ich verstehe ihn nicht.

15 Minuten später erreiche ich den Gipfel. 5 Minuten später ist auch schon Ignaz da. „Jetzt kemma ratsch’n“, rufe ich ihm begeistert entgegen. Das lässt sich der Mitsiebziger nicht zweimal sagen und legt gleich los. Er fragt mich sofort, ob ich schon einmal von der Großweiler Kirche auf den Rötelstein gelaufen sei. Seine Bestzeit liege bei 47 Minuten. Ich entgegne, dass ich einmal von der Loisachbrücke gestartet sei und deutlich länger gebraucht hätte. Dass ich damals einen gemütlichen Lauf mit meinem Vereinskameraden Max und  Toni  Lautenbacher aus Benediktbeuern gemacht hatte, verschweige ich.

Allerdings kann ich es mir nicht verkneifen, meine Bestzeit vom Freilichtmuseum Glentleiten hinauf auf den Rötelstein zu nennen. Ein respektvolles Nicken erhalte ich als Antwort. Jetzt geht es los. Ignaz nennt mir verschiedene Bestzeiten aus seiner aktiven Zeit als Wettkampf-Bergläufer: Pürschling, Heimgarten, Hörnle. Viel interessanter als die nackten Zahlen sind aber seine Geschichten, die er nun parat hat.

Die Varuckten vom Heimgarten

Da Wirt am Heimgarten obn hat sogar im Winter extra für uns aufgmacht. Der hoat gwusst, dass mir jeden Sonntag kemma“, erzählt Ignaz mit einem Lächeln auf seinem Gesicht. Sogar bei Schnee seien sie auf den Heimgarten hochgelaufen. Damals waren sie, die Bergläufer, noch die Ausnahme. Die „Varuckten“, so Ignaz, wurden sie genannt. Heutzutage sei das natürlich ganz anders, ergänzt er. Da ist der Heimgarten an schönen Tagen überlaufen. Ich erzähle ihm davon, dass heute in der Früh der Wanderparkplatz in Ohlstadt schon wieder rappelvoll war. „Selber schuld, wenn’s alle von Ohlstadt her auf’n Heimgarten laffn“, konstatiert Ignaz relativ gleichgültig. Dabei zeigt er auf den Heimgarten und den Anstieg vom Nordosten. Es wäre doch viel „gscheida“, von Großweil oder Schlehdorf aus zu starten und über die Kaseralm auf den Heimgarten zu gehen. Da habe man seine Ruhe, einen tollen Ausblick und der Weg ist abwechslungsreich und schön.

Da kann ich ihm nur beipflichten, erwidere aber auch, dass er doch froh sein solle, dass es auf diesen eher unbekannteren Wegen noch relativ ruhig zugehe. Ich erwähne Strava und all die anderen Wander- und Lauf-Apps, die den Wanderern und Trailläufern auch die letzten Geheimnisse verraten. Dabei fällt mir sofort mein Gespräch mit einem Forstamtsleiter aus der Region vor zwei Wochen ein. „Diese Wanderführer sind am schlimmsten“, hatte er gesagt und hatte damit die verschiedenen Bücher gemeint, die immer wieder neue Routen veröffentlichen. Bis vor ein paar Jahren sei es am Jochberg und Rabenkopf einigermaßen ruhig gewesen, doch mittlerweile werden diese Berge ja regelrecht überrollt. Das sei für das Wild und die Natur nicht gut.

Es gibt genug Wege für alle

Nachdem sich Ignaz meine Ausführungen dazu angehört hatte, reagiert er gelassen. Ihm mache es nichts aus, wenn die Leute jetzt auch den Rötelstein oder andere Weg für sich entdecken. Schließlich gebe es immer noch so viele kleine, kaum bekannte Steige und Trails. Da kann jeder, wenn er wolle, in Ruhe auf den Berg gehen. Ich bin ein wenig überrascht über seine Einstellung und erzähle ihm, dass wir den Rötelstein für unsere Gipfelcup ausgewählt haben. „Dadurch werden wahrscheinlich mehr Leute als sonst hier hoch kommen“, ergänze ich. „Des macht nichts“, entgegnet Ignaz entspannt. Aber dieses Strava würde ihn interessieren und wie das jetzt eigentlich genau mit diesem Gipfelcup funktioniere. Ich hole mein Handy hervor und erkläre es ihm. Doch bereits nach wenigen Sekunden verrät er mir, dass er erst seit vergangenen September ein Smartphone besitze und sich damit nicht wirklich gut auskenne. Also erkläre ich ihm, was GPS ist, was meine Uhr alles kann und wie das nun mit Strava und unserem Gipfelcup funktioniert. Ignaz zeigt sich begeistert und möchte am liebsten auch so eine Uhr. Und er möchte bei unserem Gipfelcup mitmachen.  

Er findet es super, dass sich schon fast 300 Läuferinnen und Läufer in unserem Strava-Club eingetragen haben. „Damals waren die Veranstalter froh, wenn bei ihrem Berglauf 50 oder 60 Läufer gemeldet hatten“, erzählt er mir daraufhin. Da habe man immer dieselben getroffen. Er nennt bekannte Namen aus der Berglaufszene von damals wie Karl Kremser oder Ludwig Bichler. Ob die beiden immer noch aktiv wären, fragt er mich. Zu meiner Überraschung stelle ich fest, dass ich natürlich beide Namen kenne und ich ihm versichern kann, dass sie immer noch die Berge hoch rennen. Er selbst, der Ignaz, hat das wettkampfmäßige Bergauflaufen aufgrund gesundheitlicher Probleme seit 2005 eingestellt. Aber an dem Tempo, wie er gerade auf den Rötelstein gegangenen ist, merkt man, dass er immer noch topfit ist.

Laufen oder Gehen?

Bist du ois hochglaffn?“, fragt er mich. Ich antworte ihm, dass ich den gesamten Schlussanstieg zum Rötelstein immer gehe. Er schaut mich von oben nach unten an. „Bei deinen langen Hax’n ist Gehen scheller als Laffn.“ Zumindest im steilen Gelände, ergänzt er. Wir diskutieren über die Vor- und Nachteile des schnellen Gehens bergauf. Und kommen zu dem Schluss, dass es ein „Schmarrn“ sei, bei einem Berglauf alles hoch laufen zu wollen. Vor allem Läuferinnen und Läufer mit langen Beinen können im steilen Gelände von einem langgezogenen Schritt beim Gehen profitieren, erklärt mir Ignaz. Natürlich fällt ihm da sofort eine Laufanekdote ein. Der Bichler Ludwig sei ihm am Heimgarten einmal mit seinem langen raumgreifenden Gehschritt davongezogen.

Ich muss lachen, da ich selbst Ende der 90er und Anfang der 2000er noch gegen diesen Ludwig gelaufen bin, der damals nur ein paar Jahre älter war als ich es heute bin. „Wie die Zeit vergeht“, stellen wir beide fest. Langsam wird es mir kalt und die Sonne nähert sich dem Horizont. Der Heimgarten fängt schon langsam an, rot zu leuchten. Kochel- und Staffelsee glänzen in dem warmen Licht. Ich verabschiede mich von Ignaz, der noch eine Weile den Gipfel und die Aussicht genießen will. Wenn ich nach unten laufe, solle ich auf einen versteckten Wegweiser achten, gibt mir Ignaz noch mit auf den Weg. Das ist ein Pfad, den nur die Einheimischen kennen. Ich finde das Schild und den kaum erkennbaren Trail. Ich freue mich schon darauf, diesen schmalen Singletrail zu erkunden. Aber ohne Strava, GPS & Co.

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1. Lauf für Isar-Loisach-Gipfelcup

Der erste Lauf für den Isar-Loisach-Gipfelcup ist online. Ich bin heute den Rötelstein bei 30 cm Neuschnee gelaufen. Die ersten 2 km war es noch schneefrei. Doch bei anhaltend starkem Schneefall wurde dann die Strecke weiß. Ein paar Minuten später war der Schnee schon knöcheltief. Nach 4 km waren es schon 20 – 30 cm Schnee. Auf den letzten 600 Metern zum Gipfel war dann an Laufen nicht mehr zu denken. Mit meinen Stöcken kam ich nur noch im Schneckentempo nach oben. Der Schnee war teilweise 50 cm tief, der Weg nicht mehr zu erkennen. Die letzten 50 Höhenmeter war dann Vorsicht geboten, denn die mehr als 40 % Steigung und Schneeverwehungen erforderten Konzentration und Trittsicherheit. Für den Abstieg habe ich mir dann Grödel unter die Schuhe geschnallt. Ohne wäre der Abstieg kaum bis gar nicht möglich gewesen.